Ein schmerzhafter, geröteter Knoten auf der Haut ist nicht immer nur ein Pickel. Häufig steckt eine abgekapselte Eiteransammlung dahinter, also ein Abszess. Ich erkläre, wie er entsteht, woran man ihn erkennt, wann ärztliche Hilfe nötig ist und warum Selbstaufstechen meist mehr schadet als hilft.
Die wichtigsten Fakten zum Abszess auf einen Blick
- Ein Abszess ist eine abgekapselte Ansammlung von Eiter im Gewebe.
- Typische Zeichen sind Schwellung, Rötung, Wärme und pochender Schmerz.
- Ein Abszess sollte nicht selbst aufgestochen oder ausgedrückt werden.
- Die wirksamste Behandlung besteht oft darin, den Eiter ärztlich zu öffnen und abzuleiten.
- Fieber, Schüttelfrost, rote Streifen oder ein Abszess im Gesicht erfordern eine rasche medizinische Abklärung.
Was ein Abszess genau ist
Ein Abszess ist eine umschriebene Eiteransammlung, die sich in einem Gewebehohlraum bildet. Der Körper versucht dabei, eine Infektion abzugrenzen. Rund um die betroffene Stelle entsteht eine entzündliche Kapsel, in der sich Eiter, abgestorbene Zellen, Bakterien und Gewebeflüssigkeit sammeln.
Am häufigsten tritt ein Abszess an der Haut auf. Möglich sind aber auch Abszesse im Mund, an den Zähnen, in der Brust, im Bauchraum oder an inneren Organen. Die Lage ist entscheidend dafür, welche Beschwerden auftreten und wie dringend die Behandlung ist.
Ich finde die Abgrenzung zu einem gewöhnlichen Pickel besonders wichtig. Ein Pickel bleibt meist klein und oberflächlich. Ein Abszess sitzt oft tiefer, wird zunehmend schmerzhaft und fühlt sich gespannt oder heiß an. In der Mitte kann sich später eine gelbliche oder weißliche Stelle zeigen.
Welche Beschwerden typisch sind
Ein oberflächlicher Hautabszess entwickelt sich manchmal innerhalb weniger Tage. Anfangs fällt häufig nur eine kleine, druckempfindliche Stelle auf. Danach nehmen Schwellung, Rötung und pochender Schmerz meist zu.
- gerötete und überwärmte Haut
- druckempfindlicher, gespannter Knoten
- pochender oder stechender Schmerz
- zunehmende Schwellung
- gelegentlich eine gelbliche Eiterspitze
- Fieber, Abgeschlagenheit oder Schüttelfrost bei stärkerer Infektion
Die Haut über dem Abszess kann weich oder in der Mitte leicht eindrückbar werden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass man ihn selbst entleeren sollte. Die Kapsel kann tiefer reichen, als es von außen aussieht, und durch Druck können sich Bakterien in umliegendes Gewebe verteilen.
Bei einem Zahnabszess kommen Zahnschmerzen, Schmerzen beim Kauen, eine geschwollene Wange oder eine erhöhte Empfindlichkeit auf Wärme und Kälte hinzu. Ein Abszess im Körperinneren verursacht dagegen möglicherweise nur Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl oder unklare Schmerzen. Deshalb lässt sich nicht jede Form allein anhand der Haut beurteilen.
Wie ein Abszess entsteht
Meist gelangen Bakterien durch eine kleine Verletzung, einen entzündeten Haarbalg oder eine verstopfte Drüse in das Gewebe. Auch eingewachsene Haare, Insektenstiche, Rasierverletzungen und entzündete Wunden können der Ausgangspunkt sein. Häufig ist der Auslöser so klein, dass man sich später nicht mehr daran erinnert.
Das Risiko steigt, wenn die Hautbarriere geschädigt ist oder das Immunsystem geschwächt arbeitet. Eine Rolle spielen unter anderem Diabetes mellitus, Rauchen, chronische Hauterkrankungen und bestimmte Medikamente, die die Immunabwehr beeinflussen.
Wiederkehrende Abszesse in Achselhöhlen, Leisten oder unter der Brust können auf eine chronische Hauterkrankung wie Hidradenitis suppurativa hinweisen. Dabei entstehen wiederholt schmerzhafte Entzündungen und manchmal Fistelgänge, also kleine Verbindungsgänge unter der Haut. Solche Verläufe sollten dermatologisch untersucht werden.
Ein Abszess ist nicht automatisch ansteckend. Die verursachenden Bakterien können sich jedoch über gemeinsam benutzte Handtücher, Rasierer oder direkten Kontakt mit Eiter verbreiten. Offene Stellen abdecken und Hände gründlich waschen hilft, dieses Risiko zu senken.
Wann ärztliche Hilfe wichtig ist
Kleine, oberflächliche Hautentzündungen sind nicht immer ein Notfall. Ein schmerzhafter Knoten, der größer wird oder nach einigen Tagen nicht deutlich besser ist, sollte trotzdem ärztlich beurteilt werden. Besonders wichtig ist eine schnelle Abklärung bei folgenden Zeichen:
- Fieber, Schüttelfrost oder deutliche Schwäche
- schnell zunehmende Rötung oder Schwellung
- rote Streifen, die von der Entzündung wegführen
- starke Schmerzen oder Bewegungseinschränkung
- ein Abszess im Gesicht, an der Nase oder in der Nähe des Auges
- ein Abszess im Mund oder starke Zahnschmerzen
- mehrere Abszesse oder häufige Rückfälle
- Diabetes, Immunschwäche oder eine laufende Behandlung mit Kortison
Bei Atemnot, Verwirrtheit, Kreislaufproblemen oder einem rasch verschlechterten Allgemeinzustand ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. Dahinter kann sich eine schwere Ausbreitung der Infektion bis hin zu einer Blutvergiftung verbergen.
Bei der Untersuchung reicht bei einem oberflächlichen Abszess oft der Blick und das Abtasten. Bei tiefer liegenden Veränderungen kann ein Ultraschall sinnvoll sein. Je nach Körperregion kommen außerdem eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie infrage.
Wie ein Abszess behandelt wird
Die wichtigste Behandlung besteht bei vielen Hautabszessen darin, die Eiterhöhle zu öffnen und den Inhalt kontrolliert abzuleiten. Dieser Eingriff wird als Inzision und Drainage bezeichnet. Dabei wird die Stelle meist örtlich betäubt, vorsichtig geöffnet und gespült. Je nach Größe bleibt die Öffnung vorübergehend offen, damit weiterer Eiter abfließen kann.
Antibiotika sind nicht bei jedem kleinen Hautabszess notwendig. Sie kommen eher infrage, wenn Fieber, eine ausgedehnte Hautentzündung, mehrere Abszesse, eine Immunschwäche oder eine ungünstige Lage vorliegen. Auch nach einer unvollständigen Entleerung oder bei tiefen Abszessen kann eine antibiotische Behandlung erforderlich sein.
Ein Antibiotikum allein löst das Problem nicht immer. In einer abgeschlossenen Eiterhöhle erreicht der Wirkstoff den Infektionsherd oft nur eingeschränkt. Die vollständige Ableitung des Eiters ist deshalb häufig der entscheidende Schritt.
Bei Zahn-, Bauch- oder Organabszessen richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Ein Zahnabszess muss zahnmedizinisch versorgt werden, während tief liegende Abszesse meist bildgebend lokalisiert und durch eine Drainage oder Operation behandelt werden. Die Therapie sollte in solchen Fällen nicht aufgeschoben werden.

Was zu Hause sinnvoll ist und was nicht
Bis zur ärztlichen Abklärung kann eine vorsichtige, warme Auflage bei einem oberflächlichen Abszess als angenehm empfunden werden. Sie ersetzt aber keine Behandlung und sollte beendet werden, wenn die Schmerzen oder die Rötung zunehmen. Die betroffene Stelle sollte sauber gehalten und mit einer sterilen Kompresse abgedeckt werden.
Davon rate ich klar ab:
- den Abszess mit einer Nadel oder Klinge zu öffnen
- kräftig daran zu drücken oder ihn auszudrücken
- Alkohol, Zahnpasta oder aggressive Desinfektionsmittel aufzutragen
- verordnete Antibiotika eigenmächtig zu beginnen oder abzusetzen
- die Entzündung zu ignorieren, wenn sie größer und schmerzhafter wird
Wenn ein Abszess von selbst aufgeht, sollte man den Eiter nicht weiter herauspressen. Besser ist es, die Flüssigkeit vorsichtig abtupfen, die Hände waschen, die Wunde abdecken und die Heilung ärztlich kontrollieren zu lassen. Ein spontanes Aufplatzen bedeutet nicht sicher, dass die gesamte Eiterhöhle entleert ist.
Der wichtigste Schritt bei Verdacht auf einen Abszess
Ein Abszess ist meist gut behandelbar, wenn er früh erkannt und richtig versorgt wird. Entscheidend ist, zwischen einer kleinen oberflächlichen Reizung und einer zunehmenden, schmerzhaften Eiteransammlung zu unterscheiden.
Bei zunehmender Rötung, Fieber, starken Schmerzen oder einer ungünstigen Lage sollte die Untersuchung nicht warten. Wer den Abszess nicht selbst manipuliert, die Stelle sauber abdeckt und rechtzeitig ärztliche Hilfe sucht, verhindert viele unnötige Komplikationen.