Starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex, Beschwerden beim Stuhlgang oder ein unerfüllter Kinderwunsch können auf Endometriose hindeuten, müssen es aber nicht. Die Abklärung erfolgt deshalb schrittweise: vom ausführlichen Gespräch über die gynäkologische Untersuchung bis zu spezialisiertem Ultraschall, MRT oder einer Bauchspiegelung. Ich zeige, welche Methode wann sinnvoll ist, was ein unauffälliger Befund bedeutet und wie du dich auf den Termin vorbereiten kannst.
Die wichtigsten Schritte zur Endometriose-Diagnose auf einen Blick
- Anamnese: Beschwerden, Zyklus, Kinderwunsch und bisherige Behandlungen liefern die erste wichtige Orientierung.
- Vaginaler Ultraschall: Er gilt heute meist als erste bildgebende Untersuchung, besonders bei erfahrenen Untersuchenden.
- MRT: Es ergänzt den Ultraschall, wenn die Befunde unklar sind oder ein tiefergehender Organbefall vermutet wird.
- Bauchspiegelung: Sie ist nicht mehr automatisch der erste Schritt, kann aber bei unklarer Diagnose oder gleichzeitig geplanter Behandlung sinnvoll sein.
- Bluttests: Es gibt derzeit keinen Blutwert, mit dem sich Endometriose sicher nachweisen oder ausschließen lässt.
Wie stellt man Endometriose fest?
Am Anfang steht kein einzelner Test, sondern das Zusammenspiel mehrerer Informationen. Ich halte es für besonders wichtig, Beschwerden nicht nur mit dem Satz „Das sind eben starke Regelschmerzen“ abzutun. Schmerzen, die regelmäßig den Alltag, die Arbeit oder die Sexualität einschränken, verdienen eine sorgfältige Abklärung.
Das Gespräch über die Beschwerden
Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Beschwerden bestehen, wann sie im Zyklus auftreten und wie stark sie sind. Wichtig sind auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen, ungewöhnlich starke Blutungen, Verdauungsprobleme und ein unerfüllter Kinderwunsch.
Hilfreich ist ein Symptomtagebuch über mindestens zwei bis drei Zyklen. Notiere darin Schmerzstärke, Blutungsdauer, Begleitsymptome, Schmerzmittel und die Auswirkungen auf deinen Alltag. So wird sichtbar, ob die Beschwerden einen klaren Bezug zur Menstruation haben oder auch außerhalb der Blutung auftreten.
Gynäkologische Untersuchung und Tastbefund
Zur Untersuchung können ein Spekulum und eine Tastuntersuchung gehören. Dabei wird geprüft, ob bestimmte Bereiche im kleinen Becken druckempfindlich sind oder ob sich Verhärtungen, Knoten oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Organe zeigen.
Ein auffälliger Tastbefund kann den Verdacht verstärken. Ein unauffälliger Befund schließt Endometriose jedoch nicht aus, denn kleine oder oberflächliche Herde sind häufig weder tastbar noch sichtbar. Die Untersuchung hilft außerdem dabei, andere Ursachen der Beschwerden einzuschätzen.
Warum der vaginale Ultraschall meist der erste Bildtest ist

Nach dem Gespräch und der Untersuchung folgt häufig eine transvaginale Sonografie. Dabei wird ein schmaler Ultraschallkopf in die Scheide eingeführt, um Gebärmutter, Eierstöcke und das umliegende Gewebe genauer darzustellen. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und kommt ohne Strahlung aus.
Ein gut durchgeführter Ultraschall kann unter anderem Endometriome an den Eierstöcken, Verwachsungen, Adenomyose oder bestimmte Formen tief infiltrierender Endometriose erkennen. Adenomyose bedeutet, dass endometriumähnliches Gewebe in die Muskelwand der Gebärmutter eingewachsen ist.
Entscheidend ist nicht nur das Gerät, sondern auch die Erfahrung der untersuchenden Person. Ein allgemeiner gynäkologischer Ultraschall kann unauffällig sein, obwohl eine gezielte Endometriose-Sonografie weitere Hinweise liefert. Bei einem konkreten Verdacht kann deshalb eine Überweisung in eine spezialisierte Endometriose-Sprechstunde oder ein zertifiziertes Zentrum sinnvoll sein.
Was ein unauffälliger Ultraschall bedeutet
Ein unauffälliges Ergebnis ist zunächst beruhigend, aber keine endgültige Entwarnung. Besonders oberflächliche Herde am Bauchfell lassen sich bildgebend oft nicht zuverlässig erkennen. Beschwerden und Untersuchungsergebnis müssen zusammen betrachtet werden, nicht isoliert voneinander.
Wenn die Symptome stark bleiben, kann trotz unauffälliger Sonografie eine weitere Abklärung folgen. Dabei spielen die Dauer der Beschwerden, der Leidensdruck, ein Kinderwunsch und mögliche Hinweise auf einen Befall von Darm, Blase oder Harnleitern eine Rolle.
Wann ein MRT oder eine Bauchspiegelung infrage kommt
MRT als ergänzende Untersuchung
Eine Magnetresonanztomografie wird meist eingesetzt, wenn der Ultraschall nicht eindeutig ist oder ein tiefer infiltrierender Befall vermutet wird. Sie kann bei der Beurteilung von Darm, Blase, Gebärmutterwand und tiefer liegenden Herden helfen und eine mögliche Operation besser planbar machen.
Das MRT ist schmerzfrei und arbeitet ohne Röntgenstrahlung. Es kann allerdings nicht jede Form der Endometriose erkennen. Ein negatives MRT schließt vor allem kleine oberflächliche Herde nicht sicher aus. Deshalb sollte das Ergebnis immer mit den Beschwerden und den übrigen Untersuchungen abgeglichen werden.
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Die Bauchspiegelung
Bei einer Laparoskopie wird unter Vollnarkose über kleine Schnitte in der Bauchdecke eine Kamera in den Bauchraum eingeführt. So können Ärztinnen und Ärzte die Organe direkt ansehen und bei Bedarf verdächtiges Gewebe entnehmen oder Herde behandeln.
Eine Gewebeprobe kann durch die histologische Untersuchung die Diagnose absichern. Trotzdem braucht nicht jede Patientin sofort eine Operation. Die aktuelle Vorgehensweise bevorzugt zunächst aussagekräftige, nicht invasive Bildgebung, sofern diese die vermutete Erkrankung ausreichend zeigt.
Eine Bauchspiegelung kann besonders sinnvoll sein, wenn Beschwerden anhalten, Ultraschall und MRT keine klare Erklärung liefern oder ohnehin eine operative Behandlung geplant ist. Auch bei bestimmten Formen von Kinderwunschbehandlung oder Verdacht auf organverändernde Herde kann sie Teil der weiteren Planung werden.
Wie bei jeder Operation gibt es Risiken wie Blutungen, Infektionen, Verletzungen benachbarter Organe und Verwachsungen. Deshalb sollte vor dem Eingriff geklärt werden, welche konkrete Frage die Laparoskopie beantworten soll und ob im selben Eingriff eine Behandlung vorgesehen ist.
Welche Untersuchungen nicht zuverlässig weiterhelfen
Viele Betroffene hoffen auf einen einfachen Bluttest. Derzeit gibt es jedoch keinen Laborwert, der Endometriose sicher bestätigt oder ausschließt. Der Tumormarker CA 125 kann bei manchen Patientinnen erhöht sein, ist aber zu unspezifisch für eine verlässliche Diagnose.
Auch andere Blut-, Urin- oder Speicheltests sind bislang keine etablierten Standardverfahren. Blutuntersuchungen können trotzdem sinnvoll sein, um andere Ursachen wie eine Blutarmut, Entzündungen oder Schilddrüsenprobleme zu prüfen. Sie ersetzen aber nicht die gynäkologische Abklärung.
Ein häufiger Irrtum besteht außerdem darin, die Stärke der Schmerzen direkt mit dem Ausmaß der Erkrankung gleichzusetzen. Wenig sichtbare Herde können starke Beschwerden verursachen, während eine ausgeprägte Endometriose manchmal kaum Symptome macht. Die Einteilung in Krankheitsstadien sagt deshalb nicht zuverlässig voraus, wie sehr eine Person leidet.
So bereitest du dich auf die Abklärung vor
Für den ersten Termin brauchst du keine besondere Vorbereitung. Je genauer du deine Beschwerden beschreiben kannst, desto leichter lässt sich entscheiden, welche Untersuchung als Nächstes sinnvoll ist. Ich würde frühere Befunde, eine Liste der eingenommenen Medikamente und, falls vorhanden, Operationsberichte mitbringen.
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Beginnen sie vor oder während der Periode?
- Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10?
- Gibt es Schmerzen beim Sex, beim Stuhlgang oder Wasserlassen?
- Welche Schmerzmittel oder hormonellen Behandlungen wurden ausprobiert?
- Besteht ein Kinderwunsch oder gab es Schwierigkeiten, schwanger zu werden?
Wenn du dich im Termin nicht ernst genommen fühlst, darfst du eine zweite Meinung einholen. Besonders bei langanhaltenden oder komplexen Beschwerden ist eine gezielte Vorstellung in einem Endometriosezentrum oft hilfreicher als eine endlose Wiederholung wenig aussagekräftiger Standarduntersuchungen.
Bei plötzlich sehr starken Schmerzen, Kreislaufproblemen, Fieber, ungewöhnlich starken Blutungen oder einer möglichen Schwangerschaft solltest du nicht auf einen regulären Termin warten, sondern zeitnah medizinische Hilfe suchen. Diese Symptome können auch auf andere akute Erkrankungen hinweisen.
Was du aus einem unauffälligen Befund mitnehmen solltest
Die Diagnose entsteht meist Schritt für Schritt. Ein ausführliches Gespräch, eine gezielte Untersuchung und erfahrene Bildgebung können heute in vielen Fällen eine gute Grundlage für die Behandlung bilden. Eine Operation bleibt bestimmten Situationen vorbehalten und ist nicht automatisch nötig, nur weil der Verdacht auf Endometriose besteht.
Bleiben die Beschwerden trotz unauffälliger Ergebnisse bestehen, ist das kein Grund, sie kleinzureden. Ein normaler Ultraschall beendet die Abklärung nicht immer. Entscheidend ist, dass deine Symptome ernst genommen, andere Ursachen geprüft und die nächsten Schritte gemeinsam mit einer gynäkologischen Fachperson festgelegt werden.