Ob ein Kind oder Erwachsener gegen FSME geimpft werden sollte, hängt nicht nur vom Alter ab. Entscheidend sind vor allem der Aufenthaltsort, häufige Aktivitäten im Freien und das persönliche Risiko durch Zeckenstiche. Die Antwort auf die Frage, ab welchem Alter eine Zeckenimpfung möglich ist, lautet in Deutschland grundsätzlich ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.
Die wichtigsten Fakten zur FSME-Impfung auf einen Blick
- Ab 1 Jahr sind spezielle FSME-Impfstoffe für Kinder zugelassen.
- Eine Impfung wird vor allem bei Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet empfohlen.
- Die Grundimmunisierung besteht normalerweise aus drei Impfungen.
- Die Impfung schützt vor FSME, aber nicht vor Borreliose oder dem Zeckenstich selbst.
- Nach einem Zeckenstich kann die Impfung die mögliche Infektion durch diesen Stich nicht zuverlässig verhindern.
Ab welchem Alter können Kinder gegen FSME geimpft werden?
In Deutschland sind zwei Kinderimpfstoffe gegen FSME ab einem Alter von einem Jahr zugelassen. Für Säuglinge unter zwölf Monaten gibt es keine reguläre FSME-Impfung. Bei Kindern in diesem Alter wird deshalb besonders auf lange Kleidung, Repellents und das gründliche Absuchen nach einem Aufenthalt im Grünen gesetzt.
Ich würde die Entscheidung aber nicht allein vom Geburtstag des Kindes abhängig machen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung vor allem dann, wenn ein Kind in einem FSME-Risikogebiet lebt oder sich dort regelmäßig in Wald, Wiesen und hohem Gras aufhält. Auch ein längerer Urlaub in einem betroffenen Gebiet kann ein Anlass für eine ärztliche Beratung sein.
Bei Kindern verläuft FSME zwar im Durchschnitt leichter als bei Erwachsenen. Schwere Verläufe sind trotzdem möglich, und vorher lässt sich nicht sicher sagen, welches Kind besonders gefährdet ist. Nach Angaben des RKI kann nach der Impfung bei etwa 15 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder Fieber über 38 °C auftreten, bei Drei- bis Elfjährigen liegt dieser Anteil bei ungefähr 5 Prozent.
Für wen die Impfung in Deutschland empfohlen wird
Die FSME-Impfung ist keine pauschale Standardimpfung für jede Person in Deutschland. Empfohlen wird sie für Menschen, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet wohnen und dort Zecken ausgesetzt sind. Das betrifft beispielsweise Familien mit viel Zeit im Garten, Wandernde, Camper und Personen, die regelmäßig in Waldgebieten arbeiten oder Sport treiben.
Auch beruflich gefährdete Menschen können profitieren. Dazu gehören unter anderem Beschäftigte in der Forst- und Landwirtschaft sowie Personen, die beruflich mit Zecken oder möglicherweise infiziertem Material in Kontakt kommen. Bei Reisen sollte außerdem geprüft werden, ob am Zielort ein relevantes FSME-Risiko besteht.
| Situation | Was meist sinnvoll ist |
|---|---|
| Kind ab 1 Jahr im FSME-Risikogebiet | Impfberatung anhand von Alter, Aufenthaltsdauer und Zeckenexposition |
| Erwachsene mit häufigem Aufenthalt im Grünen | Impfung bei regelmäßigem Risiko, besonders in Risikogebieten |
| Reise in ein FSME-Gebiet | Rechtzeitig vor der Reise ärztlich beraten lassen |
| Kaum Aufenthalt im Freien und kein Risikogebiet | Meist kein dringender Anlass, individuelle Situationen ausgenommen |
Die aktuelle Einstufung einzelner Landkreise kann sich ändern. Ich würde deshalb nicht nach einer alten Liste entscheiden, sondern die jeweils aktuelle Risikokarte des RKI oder die Einschätzung der Arztpraxis nutzen.
Wie viele Impfungen nötig sind und wann der Schutz beginnt
Die Grundimmunisierung besteht in der Regel aus drei Dosen. Die zweite Impfung folgt je nach Impfstoff meist nach einem bis drei Monaten, die dritte mehrere Monate später. Das genaue Schema legt die Arztpraxis anhand des verwendeten Präparats und des gewünschten Zeitplans fest.
Wer kurzfristig in ein Risikogebiet reisen muss, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Schnellschema erhalten. Die Abstände sind je nach Impfstoff unterschiedlich und sollten genau eingehalten werden. Für einen verlässlichen Schutz sollte die Impfserie möglichst vor Beginn häufiger Aufenthalte im Freien geplant werden.
Nach der Grundimmunisierung ist eine Auffrischung erforderlich. Üblicherweise erfolgt die erste Auffrischimpfung nach drei Jahren, danach bei Personen unter 60 Jahren meist alle fünf Jahre und ab 60 Jahren in kürzeren Abständen, häufig alle drei Jahre. Maßgeblich bleiben der Impfstoff, die Fachinformation und die persönliche ärztliche Empfehlung.
Was die FSME-Impfung schützt und was nicht
Die umgangssprachliche „Zeckenimpfung“ schützt vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die in schweren Fällen das Gehirn, die Hirnhäute oder das Rückenmark betreffen kann. Gegen FSME gibt es keine spezifische Behandlung, deshalb ist die Vorbeugung besonders wichtig.
Die Impfung schützt jedoch nicht vor Borreliose. Gegen diese bakterielle Erkrankung gibt es in Deutschland keine allgemein verfügbare Impfung. Außerdem verhindert die FSME-Impfung weder den Zeckenstich noch andere mögliche Infektionen, die durch Zecken übertragen werden können.
Nach jedem Aufenthalt in der Natur bleibt deshalb eine kurze Kontrolle sinnvoll. Ich empfehle, Körper, Kleidung und bei Kindern besonders Kopfhaut, Kniekehlen und Leistenbereich abzusuchen. Eine entdeckte Zecke sollte möglichst rasch mit einer geeigneten Pinzette oder Zeckenkarte entfernt werden.
Wann Vorsicht bei der Impfung geboten ist
Vor der Impfung sollte die Arztpraxis über frühere allergische Reaktionen, akute Erkrankungen und eine geschwächte Immunabwehr informiert werden. Bei einem akuten fieberhaften Infekt wird die Impfung meist verschoben, während ein leichter Schnupfen nicht automatisch dagegen spricht.
Typische Reaktionen sind Schmerzen, Rötung oder eine Schwellung an der Einstichstelle. Manche Kinder reagieren vorübergehend mit Müdigkeit oder Fieber. Eine schwere allergische Reaktion auf eine frühere Dosis oder einen Impfstoffbestandteil ist selten, muss aber unbedingt berücksichtigt werden.
Auch in der Schwangerschaft kann eine medizinisch notwendige FSME-Impfung grundsätzlich möglich sein, weil es sich um einen inaktivierten Impfstoff handelt. Ob der richtige Zeitpunkt gegeben ist, sollte immer individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Was nach einem Zeckenstich wirklich wichtig ist
Eine nachträgliche FSME-Impfung verhindert eine mögliche Infektion durch den gerade erfolgten Stich nicht zuverlässig. Wer ungeimpft ist und eine Zecke entdeckt, sollte sie deshalb sofort entfernen und die Einstichstelle in den folgenden Tagen beobachten.
Eine ringförmig größer werdende Rötung, zunehmende Beschwerden oder grippeähnliche Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden. Gegen FSME sprechen besonders plötzliches Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder neurologische Auffälligkeiten. In solchen Fällen sollte man nicht auf eigene Faust abwarten.
Die Kostenübernahme richtet sich nach der medizinischen Indikation und der Krankenkasse. Bei einer empfohlenen Impfung im Risikogebiet übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten häufig, bei privaten Versicherungen gelten die jeweiligen Vertragsbedingungen. Vor einer reinen Reiseimpfung lohnt sich eine kurze Nachfrage bei der Krankenkasse.
Das richtige Alter ist nur ein Teil der Entscheidung
Für Kinder ist die FSME-Impfung in Deutschland grundsätzlich ab dem ersten Geburtstag möglich. Ob sie tatsächlich sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie oft und wo sich das Kind oder der Erwachsene im Freien aufhält.
Mein praktischer Rat lautet deshalb, die Impfung nicht erst kurz vor dem Sommerurlaub zu besprechen. Wer in einem Risikogebiet lebt oder regelmäßig dort unterwegs ist, sollte die Impfserie frühzeitig mit der Hausarzt- oder Kinderarztpraxis planen und den Zeckenschutz im Alltag trotzdem beibehalten.