Wer sich fragt, ab wann Legionellen sterben, braucht vor allem eine klare Unterscheidung: Temperaturen, die das Wachstum bremsen, sind nicht automatisch hoch genug, um vorhandene Bakterien zuverlässig abzutöten. Entscheidend sind deshalb nicht nur die Gradzahl, sondern auch Einwirkzeit, Leitungszustand und die Frage, ob das gesamte Warmwassersystem erreicht wird.
Die wichtigsten Temperaturgrenzen auf einen Blick
- 25 bis 45 °C gelten als günstiger Bereich für die Vermehrung von Legionellen.
- Ab etwa 55 °C wird das Wachstum deutlich gehemmt.
- Bei ungefähr 60 °C sterben Legionellen nach einigen Minuten ab, die Temperatur allein beseitigt einen bestehenden Befall aber nicht sicher.
- Eine thermische Desinfektion erfordert in der Regel rund 70 °C im gesamten System.
- Duschen kann bei belastetem Wasser riskant sein, weil dabei feine Aerosole entstehen und eingeatmet werden können.
Bei welcher Temperatur sterben Legionellen wirklich ab?
Die kurze Antwort lautet: Ab etwa 60 °C nimmt die Überlebensfähigkeit deutlich ab. Bei dieser Temperatur können Legionellen nach wenigen Minuten absterben. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Warmwasserspeicher mit 60 °C automatisch keimfrei ist.
Für die praktische Trinkwasserhygiene ist die Grenze von 70 °C wichtiger. Wird das Wasser im Rahmen einer thermischen Desinfektion im Speicher, in den Leitungen und an den Entnahmestellen ausreichend hoch erhitzt, lassen sich vorhandene Legionellen deutlich zuverlässiger reduzieren. Eine einzelne heiße Wasserprobe reicht dafür nicht aus.
Ich halte diese Unterscheidung für besonders wichtig, weil die sogenannte „Legionellenschaltung“ häufig überschätzt wird. Ein kurzzeitiges Aufheizen auf 60 °C kann das Wachstum bremsen, erreicht aber möglicherweise nicht jede Rohrleitung und jeden Duschschlauch. Temperatur muss im gesamten System ankommen, sonst bleiben Rückzugsorte für die Bakterien bestehen.
| Wassertemperatur | Was passiert? | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Unter 20 °C | Kaum Vermehrung, Legionellen können aber vorhanden bleiben. | Kein sicherer Hinweis auf keimfreies Wasser. |
| 25 bis 45 °C | Günstige Bedingungen für die Vermehrung. | Besonders problematisch bei stagnierendem Wasser. |
| 55 bis 60 °C | Wachstum wird wirksam gehemmt. | Wichtiger Bereich für den dauerhaften Betrieb größerer Warmwasseranlagen. |
| Ab etwa 60 °C | Legionellen sterben bei ausreichender Einwirkzeit zunehmend ab. | Noch keine Garantie für die Sanierung eines belasteten Systems. |
| Etwa 70 °C | Thermische Desinfektion wird möglich. | Nur fachgerecht und mit Schutz vor Verbrühungen durchführen. |
Warum 60 °C im Boiler nicht automatisch genügen
In größeren zentralen Warmwasseranlagen soll das Wasser am Ausgang des Trinkwassererwärmers dauerhaft mindestens 60 °C erreichen. Im Zirkulationssystem sollten in der Regel mindestens 55 °C erhalten bleiben. Diese Werte dienen vor allem dazu, eine starke Vermehrung zu verhindern.
In den Leitungen kann die Temperatur jedoch deutlich niedriger sein. Lange Rohrwege, schlecht eingestellte Zirkulation, selten genutzte Zapfstellen und sogenannte Totleitungen schaffen Bereiche, in denen das Wasser lauwarm bleibt. Genau dort können sich Legionellen vermehren und in einem Biofilm an den Rohrinnenflächen geschützt sein.
Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass zwischen der Verhinderung des Wachstums und der Abtötung eines bestehenden Befalls unterschieden werden muss. Eine dauerhafte Temperatur von 55 bis 60 °C ist eine wichtige Vorbeugung, ersetzt aber nicht automatisch eine fachgerechte Sanierung.
Die Einwirkzeit macht einen großen Unterschied
Ein kurzer Kontakt mit heißem Wasser wirkt anders als eine längere Erwärmung. Außerdem können Legionellen in Ablagerungen, Biofilmen oder im Inneren von Armaturen besser geschützt sein. Deshalb lässt sich nicht seriös sagen, dass eine bestimmte Temperatur nach wenigen Sekunden jede Belastung beseitigt.
Meine Faustregel für den Alltag lautet daher: 60 °C verhindern vor allem weiteres Wachstum, etwa 70 °C dienen der gezielten thermischen Desinfektion. Ob diese Maßnahme erfolgreich war, sollte bei einem vermuteten Befall durch Kontrollproben überprüft werden.
Wo Legionellen besonders gute Bedingungen finden
Legionellen vermehren sich nicht nur wegen einer bestimmten Temperatur. Problematisch wird meist das Zusammenspiel aus lauwarmem Wasser, langen Standzeiten und Ablagerungen. In wenig genutzten Leitungen kann Wasser über längere Zeit stehen und sich in einem günstigen Temperaturbereich befinden.
- Selten genutzte Duschen und Gästezimmer
- Lange Warmwasserleitungen mit Wärmeverlust
- Defekte oder schlecht eingestellte Zirkulation
- Kalk, Sedimente und Biofilm in Speichern und Armaturen
- Duschköpfe und Schläuche, die lange nicht gereinigt oder ausgetauscht wurden
- Whirlpools, Luftbefeuchter und Inhalationsgeräte, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden
Bei privaten Kleinanlagen ist das Risiko nicht mit jeder Warmwasserinstallation gleich groß. Eine zentrale Großanlage mit großem Speicher und langen Leitungswegen wird anders bewertet als ein kleiner Durchlauferhitzer. Entscheidend ist die tatsächliche Wasserführung, nicht allein das Alter des Gebäudes.
Nach längerer Abwesenheit lasse ich Wasser an selten genutzten Entnahmestellen zunächst einige Minuten laufen und lüfte den Raum dabei gut. Das ist keine Sanierung eines kontaminierten Systems, reduziert aber Stagnationswasser und ist bei längerer Nichtnutzung eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Wie gefährlich sind Legionellen für die Gesundheit?
Eine Infektion erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen, nicht durch das normale Trinken von Leitungswasser. Typische Situationen sind Duschen, Whirlpoolbaden oder der Umgang mit Geräten, die Wasser vernebeln.
Legionellen können zwei unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen. Das Pontiac-Fieber verläuft meist leichter und ähnelt einer grippeartigen Erkrankung. Die Legionärskrankheit ist dagegen eine schwere Lungenentzündung, die insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen gefährlich werden kann.
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Typische Beschwerden
- Fieber und Schüttelfrost
- Trockener Husten oder Atemnot
- Kopf- und Muskelschmerzen
- Starke Müdigkeit und Krankheitsgefühl
- Bei schwerem Verlauf Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme
Das Risiko steigt unter anderem bei höherem Alter, Rauchen, chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem. Wer nach möglichem Kontakt mit belastetem Wasser hohes Fieber, Husten oder Atemnot entwickelt, sollte nicht abwarten, sondern ärztliche Hilfe suchen. Bei deutlicher Atemnot oder Kreislaufproblemen ist sofortige medizinische Unterstützung erforderlich.
Was bei einem Verdacht auf Legionellen sinnvoll ist
Bei einem konkreten Verdacht sollte nicht einfach der Warmwasserregler auf die höchstmögliche Stufe gestellt werden. Sehr heißes Wasser kann zu schweren Verbrühungen führen, und eine unkontrollierte Erwärmung erreicht möglicherweise nicht alle Bereiche der Installation.
- Duschen möglichst vermeiden, bis die Situation geklärt ist. Besonders gefährdet sind Aerosole aus Duschkopf und Whirlpool.
- Vermieter, Hausverwaltung oder Betreiber informieren, wenn es sich um eine zentrale Anlage handelt.
- Wasser fachgerecht untersuchen lassen. Aussagekräftig ist eine Untersuchung durch ein dafür zugelassenes Labor.
- Bei einer Belastung die vom Fachbetrieb empfohlene thermische oder chemische Sanierung durchführen lassen.
- Kontrollproben abwarten, bevor die Anlage wieder als unauffällig gilt.
In Deutschland gilt für bestimmte größere oder öffentlich genutzte Trinkwasseranlagen ein technischer Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter. Dieser Wert ist kein persönlicher Grenzwert, bei dem jede Infektion ausgeschlossen oder sicher zu erwarten wäre. Er löst vielmehr eine fachliche Bewertung und gegebenenfalls weitere Maßnahmen aus.
Das RKI betont außerdem, dass die reine Keimzahl nicht alle Fragen beantwortet. Auch die Eigenschaften der vorhandenen Legionellen, die Art der Wasservernebelung und die gesundheitliche Verfassung der betroffenen Personen spielen eine Rolle.
Die sichere Antwort für den Alltag
Legionellen vermehren sich besonders gut in lauwarmem Wasser zwischen ungefähr 25 und 45 °C. Ab etwa 55 °C wird ihr Wachstum gebremst, bei rund 60 °C sterben sie bei ausreichender Einwirkzeit zunehmend ab. Für die zuverlässige thermische Desinfektion eines belasteten Systems sind jedoch meist etwa 70 °C im gesamten Leitungsnetz und eine fachgerechte Durchführung erforderlich.
Wer nur wissen möchte, welche Einstellung im Alltag sinnvoll ist, kann sich an den hygienischen Betriebswerten orientieren: Bei größeren zentralen Anlagen sollten am Speicher dauerhaft mindestens 60 °C und im Zirkulationssystem mindestens 55 °C vorhanden sein. Eine niedrigere Temperatur spart nicht automatisch sinnvoll Energie, wenn dadurch das Legionellenrisiko steigt.
Bei gesundheitlichen Beschwerden nach möglicher Exposition zählt nicht die Frage, ob das Wasser „heiß genug“ gewesen sein könnte, sondern eine medizinische Abklärung. Temperatur hilft bei der Vorbeugung, ersetzt aber weder eine Wasseranalyse noch ärztliche Beratung.